Behinderte Menschen mit ihren Stärken wahrnehmen

Das Projekt Alle beteiligen mit eienm Imfostand bei Veranstaltung Impulse Inklusion

Das Projekt „Alle Beteiligen++“ jetzt beim Treffpunkt Inklusion präsentiert

Karlsruhe/Stuttgart (epd). Winzige Buchstaben in Gesangbüchern, Pfarrer, die hochgestochenes Deutsch sprechen und Räume, in denen es so sehr hallt, dass Menschen mit Hörproblemen nichts verstehen. Älteren und behinderten Menschen fällt die Teilnahme an Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen nicht immer leicht. Umso mehr bemühen sich die evangelischen Landeskirchen, alle Gläubigen in die Gemeinschaft miteinzubeziehen. Eine dieser Aktionen wurde jetzt am Mittwoch, 30. November 2016 beim Treffpunkt Inklusion des Sozial- und Integrationsministeriums in Stuttgart präsentiert: das Projekt „Alle beteiligen++“ der Diakonie Württemberg.

„Wir wollen behinderte Menschen dazu befähigen, dass sie gut in der Gesellschaft ankommen können und mit ihren Stärken wahrgenommen werden, sagte Wolfram Keppler von der Geschäftsstelle Aktionsplan Inklusion in der Diakonie Württemberg. Anders formuliert: kein Mitleid, sondern Augenhöhe-Begegnungen. Umgesetzt wurde dieser Ansatz zum Beispiel auf dem Sonnenhof in Schwäbisch Hall: Behinderte Menschen moderierten eine Radiosendung eines lokalen Senders. Sie machten sich damit vertraut, ihre Stimme über Mikrofon zu hören, legten Musik auf und sprachen über ihre Hobbys und Freundschaften. Andere Veranstaltungen des Projekts waren ein World Café, die Eröffnung eines Therapieschwimmbads sowie ein Kabarettabend, bei dem behinderte Menschen und Ehrenamtliche gemeinsam den Abend gestalteten und sich um die Gäste kümmerten.

Für den nächsten Sommer plant die Diakonie Württemberg eine Fortbildung, in der Menschen mit Behinderungen lernen sich zu präsentieren und zu überzeugen – wie in klassischen Bewerbungstrainings oder Castings. „Nicht-behinderte Menschen müssen sich auch damit auseinandersetzen ‚Wie wirke ich auf andere?‘ um gut rüber zu kommen und damit man ihnen auf Augenhöhe begegnet“, sagte Keppler.

In den Gottesdiensten werden schon seit längerem Ideen umgesetzt, wie Menschen mit Einschränkungen teilnehmen können. Seit 1998 gibt es ein Gesangbuch in Großdruck, dass die Texte von 535 Liedern auflistet, so der Evangelische Blinden- und Sehbehindertendienst Württemberg. Für Baden, Hessen, Nassau, Bayern und Thüringen existieren schon seit einiger Zeit Regionalteile in Großdruck mit vor Ort beliebten Liedern und Psalmen. Seit Ende Oktober 2016 wird ein solcher Regionalteil auch für die Pfälzische Landeskirche publiziert.

Ein weiterer Ansatz sowohl in der badischen als auch in der württembergischen Landeskirche ist die „Leichte Sprache“. Eine Sprache, die nach festen grammatikalischen Regeln funktioniert und sehr verständlich ist. Es werden zum Beispiel nur Hauptsätze verwendet und es gibt weder Passiv noch Konjunktiv. Das Ziel sei es, dass mithilfe der „Leichten Sprache“ jeder dem Gottesdienst problemlos folgen könne, sagte Doris Banzhaf, Sprecherin der Badischen Landeskirche. Inzwischen habe es in Baden bereits Schulungen zur „Leichten Sprache“ gegeben und die Gemeinden seien dabei, diese Methode in den Gemeinden zu nutzen. Laut Informationen von Banzhaf gibt es zudem das Projekt „Hören in der Kirche“: In Kirchenräumen sei es für Menschen mit Hörproblemen sehr schwer, die einzelnen Töne und Geräusche zu unterscheiden. Deshalb unterstütze die Badische Landeskirche bis 2018 mit 50 Prozent den Einbau spezieller Höranlagen in den Kirchen

Quelle: Leonie Mielke (epd)

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