Teilhabe und selbstbestimmtes Leben können gelingen, wenn alle sich dafür öffnen

Fachtag Zusammenleben gestalten_Landkreis Ludwigsburg - Interview von Experten in eigener Sache

Unter dem Titel „Zusammen-Leben gestalten“ fand kürzlich mit Unterstützung des Projekts „WohnMobil“ ein Fachtag im Ludwigsburger Kreishaus statt. Er richtete sich an Menschen mit Behinderung sowie an Fachkräfte, die in der Behindertenhilfe, in der Gemeindepsychiatrie und beim Landratsamt tätig sind. Rund 120 Interessierte, darunter viele Vertreterinnen und Vertreter diakonischer Einrichtungen folgten der Einladung um sich gemeinsam damit auseinanderzusetzen, wie sich die Eingliederungshilfe weiterentwickeln sollte und was unter anderem Diakonie und Kirche dazu beitragen kann, damit Teilhabe und selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung im sozialen Raum gelingt. 

Menschen mit Behinderung möchten einen Platz mitten in der Gesellschaft, sie möchten selbständig und möglichst selbstbestimmt leben. Das wurde bei dem Fachtag deutlich. Dafür ist eine gute Nachbarschaft ebenso wichtig wie die Möglichkeit, beispielsweise im Sportverein oder an anderen Aktivitäten vor Ort teilzunehmen. „Das kostet manchmal viel Mühe, man muss sich Manches erkämpfen, aber man darf nie aufgeben“, sagte Susanne Zigelli, Mitglied des Beirats Landkreis Ludwigsburg inklusiv.

Fachtag Zusammenleben gestalten_Landkreis Ludwigsburg - Blick ins Plenum
Fachtag Zusammenleben gestalten_Landkreis Ludwigsburg – Blick ins Plenum

Dunja Wörthmann, Geschäftsführerin der Diakonischen Pflege und Reha Wendland gGmbH, und Dirk Bennewitz, Sozialpädagoge aus Erfurt, gaben in zwei Fachvorträgen unterschiedliche Anregungen, wie Wege in den Sozialraum für Menschen mit Behinderung eröffnet werden können. Wichtigste Grundlage sei die Haltung der Fachkräfte, so Wörthmann. „Diese brauchen einen ernst gemeinten Respekt vor dem ‚Eigensinn‘ des Anderen.“ Auch bezüglich des Sozialraums würden die Fachkräfte eine bedeutende Rolle spielen: Ihre Aufgabe sei es, den Sozialraum für Menschen mit Behinderung so zu öffnen, dass Teilhabe gelingen könne. Das Fazit der Referentin: „Auch wenn auf diesem Weg manche Steine liegen, entscheiden Sie selbst, was Sie daraus machen: Mauern oder Brücken.“ Ihr Kollege Bennewitz erläuterte anhand vieler Praxisbeispiele, wie Leistungserbringer ihre Arbeit so verändern können, dass Menschen mit Behinderung Möglichkeiten finden, ihren eigenen Interessen entsprechend am „normalen“ Leben teilzuhaben. Seine Erfahrung: „Keine neuen Netzwerke gründen, sondern lieber in vorhandene Netzwerke einsteigen.“

Ein Fazit des aufschlussreichen Fachtags war, dass Inklusion nur gelingen kann, wenn Menschen mit Behinderung selbstverständlich am Gemeinwesen teilnehmen. Dazu gehört, dass sich Vereine, Kirchengemeinden, Gruppen und Menschen in der Nachbarschaft öffnen und dafür bisher bekannte Wege und Gewohnheiten, in denen man sich „eingerichtet“ hat, verlassen. Dazu gehört aber auch, dass Menschen mit Behinderung sich nach Möglichkeit auch selbst auf den Weg machen. Dass sie beispielsweise auf eine Kirchengemeinde zugehen und ihre Ideen einbringen und ihre Wünsche und ihr Engagement einbringen.

« Vorheriger Beitrag -
Nächster Beitrag - »