„Suchet der Stadt Bestes“: auf dem Weg zu inklusiven Quartieren

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Was braucht eine gesunde Quartiersentwicklung? Welchen Weg dorthin beschreitet Baden-Württemberg in den nächsten Jahren. Und wie sehen inklusive Lösungen, bei denen alle Menschen gleiche Teilhabe-Chancen haben, aus? Mit diesen Fragen beschäftigten sich 80 Teilnehmer des Fachtags „Suchet der Stadt Bestes“, zu dem die Diakonie Württemberg ins Kultur- und Bürgerhaus Stuttgart-Feuerbach eingeladen hatte.  Unterstützt wurde die Tagung vom Projekt „Wohnmobil“, gefördert durch das Programm „Impulse Inklusion“ des Sozialministeriums.

Die stellvertretende Diakonie-Chefin Eva-Maria Armbruster zeigte sie sich erfreut, dass neben einer Vielzahl von Mitarbeitenden diakonischer Einrichtungen aus ganz Württemberg auch die Landtagsabgeordneten Rainer Hinderer und Thomas Poreski zu der Veranstaltung gekommen waren. Denn: „Eine aktive Gestaltung der Kooperation ist die Voraussetzung schlechthin für gutes Gelingen“. Armbruster begrüßte das vor kurzem aufgelegte Programm „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten“ der Landesregierung. Sie stellte jedoch die Frage, welche Rolle die freie Wohlfahrtspflege dabei habe. „Wir hätten es uns als Diakonie sehr gut vorstellen können, dass wir gleich von vorneherein bei der Entwicklung des Programms mitgewirkt hätten“, betonte sie.

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Auf der Bühne – Fachtag Nachbarschaft gestalten

Prof. Dr. Maria Bitzan von der Hochschule Esslingen erklärte in ihrem Vortrag, das Thema Gemeinwesenarbeit sei wieder angekommen  im „Mainstream der Sozialarbeit“. Insgesamt habe ein Umdenken stattgefunden, die Akteure vor Ort mehr einzubinden: „Gemeinwesen sind stets plural, heterogen und zudem auch oft sehr widersprüchlich“, stellte Bitzan fest.

Die Podiumsdiskussion eröffneten Simone Fischer von der Fachberatung Inklusion im Städtetag Baden-Württemberg sowie der Bürgermeister von Neuhausen auf den Fildern, Ingo Hacker. Dieser appellierte an die politisch Verantwortlichen, sich von der „Angst vor den Bürgern zu verabschieden.“ Für Simone Fischer stellt sich die Frage: „Wie können sich Menschen im Quartier zurechtfinden, wie können sie ein barrierefreies Umfeld vorfinden? Denn davon profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung.“

Pfarrer Frank Wößner, Vorstandsvorsitzender der Samariterstiftung, die im Land mehrere Stellen für Quartiersmanager finanziert, antwortete auf die Publikums-Frage,  warum denn ein kirchlicher Träger diese eigentlich kommunale Aufgabe übernähme: „Das hat mit dem Verständnis unserer Arbeit zu tun, wir wollen nicht warten, sondern uns einbringen mit dem, was wir können.“

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Am Stand des Wohnmobils beim Fachtag Nachbarschaft gestalten

In der Entwicklung gemischter Quartiere dürfe man „keine Denkverbote aussprechen“, formulierte Alexander Kentsch vom Siedlungswerk. “Kommunizieren ist das Wichtigste. Man muss Ideen und Bedürfnisse sammeln und daraus in städtebaulichen Wettbewerben kreative Lösungen erarbeiten.“

Ulrich Schmolz vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg thematisierte den aktuell laufenden Wettbewerb „Quartier 2020“ für Kommunen. Damit wolle man „Impulse setzen, dass sich alle auf den Weg machen, ihre lokalen Lebenswelten zu gestalten.“  Die hohe Priorität der Bürgerbeteiligung betonte auch Ralph König vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau: „Wir müssen künftig noch stärker als bisher die Betroffenen ansprechen und einbinden.“

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Pausen-Gespräch beim Fachtag Nachbarschaft gestalten

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion fasste Eva-Maria Armbruster die wichtigsten Punkte der Diskussionen und Beiträge noch einmal zusammen: „Mir scheint, als wäre der Mensch wieder bedeutsamer geworden und dass das gemeinsame Gestalten mehr im Mittelpunkt steht. Die Diakonie steht dafür, den Menschen in den Blick zu nehmen und die Gemeinschaft zu gestalten. Die Entwicklung macht richtig Arbeit, es muss jemand da sein, die Räume müssen bespielt werden und dazu braucht es Professionalität und die Kompetenz und das Know-how der Menschen vor Ort. Und wir brauchen verlässliche, kontinuierliche Rahmenbedingungen.“ An die Träger gewandt machte sie Mut zum Selbstbewusstsein: „Gehen Sie auf die Gemeinden zu und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Als Diakonie haben wir ein ganz großes Pfund, das wir einbringen können.“

Zum Abschluss des Fachtags präsentierten sich drei Projekte der gelungenen Quartiersarbeit und -entwicklung im Stadtteil Feuerbach: die Mobile Jugendarbeit, das Quartiersprojekt „Feuerbacher Balkon“ der Samariterstiftung sowie ein Wohnprojekt vom bhz Stuttgart.

Dagmar Kötting

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