Kirchengemeinden als Arbeitgeber

Samuel Streib

Samuel – (k)ein „Mädchen für alles“!

Vor bald drei Jahren hat es begonnen: Samuel Streib war damals noch in der ’Berufsvorbereitenden Einrichtung‘ der Tannenhag-Schule Friedrichshafen und kam als Praktikant in die evangelische Kirchengemeinde Langenargen. Dieses Praktikum sollte klären, ob Samuel, bei dem eine geistige Einschränkung vorliegt, Chancen auf dem ‚ersten Arbeitsmarkt‘ hat. Nach super Erfahrungen will ihn die Kirchengemeinde jetzt fest anstellen. Ein Bericht von Pfarrer Matthias Eidt.

„Nach einem Probearbeiten in einem Schreinerei-Betrieb kam Samuel Streib wieder zu unserer Kirchengemeinde zurück – als ‚(k)ein ‚Mädchen‘ für alles: So hilft er im Kindergarten Abraham aus (z.B. beim Essensverteilen). Natalie Schmid in Langenargen und Sandra Lischewski in Eriskirch steht er bei der Versorgung der Kirch- und Gemeinderäume zur Seite. In Vertretung für Frau Leichtle hält er den Kindergarten sauber. Und last but not least: der Langenargener ‚Kirchhof-Wart‘ Claus Jäger freut sich zuweilen auch über zwei zusätzliche kräftige Hände.

Bei Krankheitsausfällen vertritt er die jeweilige Person. Die Grünanlagen rund um die Kirchen in Langenargen und Eriskirch versorgt er schon ziemlich eigenständig. Und, ach ja: Bei fast allen Aktionen der Kirchengemeinde – z. B. dem Kinderaktionstag oder dem Gemeindefest – hilft er mit. Sogar vom Malern versteht er inzwischen etwas: Der Gemeindesaal in Langenargen wurde von ihm frisch geweißelt. Natürlich braucht Samuel aufgrund seiner geistigen Einschränkung nach wie vor intensivere Betreuung. Begleitet und angeleitet wird er von der Pfarrfrau Andrea Benz. Samuel braucht auch für alles seine Zeit. Trotzdem hat er sich inzwischen in unserer Kirchengemeinde unentbehrlich gemacht. Und nach einem weiteren Klärungsprozess steht nun fest: Wir wollen Samuel gerne behalten. Und er uns auch!

In Zusammenarbeit mit dem staatlichen Integrationsfachdienst und der Agentur für Arbeit wollen wir deshalb Samuel eine richtige Stelle mit langfristiger Perspektive verschaffen. Erstens, weil das Betätigungsfeld ‚Kirchengemeinde‘, wo nichts unter Zeitdruck produziert werden muss, ideal für Menschen ist, die sonst kaum eine Chance auf eine Arbeitsstelle haben und die deshalb oft nur in einer Behindertenwerkstätte beschäftigt werden.

Und zweitens, weil wir glauben, dass eine solche Integrationsarbeit schlicht und einfach ‘vor Ort gelebte‘– und nicht ausgelagerte, kirchliche Diakonie ist… Angedacht ist eine Stelle mit 80% Arbeitsumfang. Die Arbeitsagentur würde dabei die entstehenden Kosten mit voraussichtlich 50% bezuschussen. Für unsere Kirchengemeinde sind im Blick auf diese Stelle mit Kosten zu rechnen, die pro Jahr ca. zwischen 12.000 € und 15.000 € liegen werden.“



Arbeit inklusiv im Kindergarten Horb

Mirjam Brindle unterstützt den Johannes Kindergarten Horb
Mirjam Brindle unterstützt den Johannes Kindergarten Horb

Mirjam Brindle hat eine so genannte Geistige Behinderung und war über längere Zeit im evangelischen Johannes-Kindergarten in Horb angestellt. Der Weg der Nordstetterin ist im Landkreis einzigartig und leider noch keine Selbstverständlichkeit. Ihre Mitarbeit wurde unter anderem durch Mittel des landeskirchlichen Fonds „Inklusion leben“ gefördert. Mirjam hat von Kindesalter an Inklusion erlebt – im integrativen Kinderhaus in Nordstetten, in der dortigen Grundschule, in einer Außenklasse in Altheim-Dettingen. Freundinnen aus der Schule trifft sie noch heute.

Zum Ende ihrer Schulzeit war sie als Praktikantin bei umliegenden Kindergärten tätig – neben dem Johannes-Kindergarten auch in Mühlen, Talheim, Sulz und Rottweil. Der Übergang von der Schule in das Berufsleben ist für Menschen mit Handicap ungleich schwerer. Durch den Berufsbildungsbereich arbeiten viele Menschen mit Behinderung in Werkstätten – doch Mirjam ist einen anderen Weg gegangen.

Nach dem Praktikumsjahr hatte sie für zwei Jahre berufliche Qualifizierung im Kindergarten, die nun enden, und ein persönliches Budget von der Agentur für Arbeit Nagold erhalten. Neben Geld für die assistierende Mutter deckte dies noch eine sozialpädagogische Betreuung: Annette Wanner ist freiberufliche Sozialpädagogin und begleitet die Familie seit Längerem. Dabei arbeitet sie mit dem Verein „Gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen für Inklusion im Landkreis Göppingen e.V.“ zusammen. „Mirjams Inklusion ist in dieser Form einmalig im Landkreis“ sagt sie. Wanner betont, dass auch in Werkstätten gute Arbeit geleistet werde–das persönliche Budget sieht sie als Teil von Wahlfreiheit, auch in Bezug auf das Schulwesen. Das Elternhaus sei dazu entscheidend für erfolgreiche Inklusion, und im Fall von Mirjam sei die familiäre Begleitung vorbildlich.