Gemeinsam auf Höhlentour

Pause beim gemeinsamen Klettern bei der Freizeit der Gomaringer Konfirmanden

Beim Konfirmandenunterricht  der evangelischen Kirchengemeinde Gomaringen hat auch Tom, der das Down-Syndrom hat, mitgemacht. Er ging auch mit auf gemeinsame Höhlentour. Dank der Assistenz eines staatlich anerkannten Erzieherers konnte Tom wie jeder andere seiner 42 Altersgenossinnen und Altersgenossen das Jahr über mittwochs am Unterricht teilnehmen und auch alle begleitenden Aktionen mitmachen. Ein Beitrag von Pfarrer Hartmut Dinkel von der Evangelischen Kirchengemeinde Gomaringen-Nord.

„Assistenz und der Versuch eines  inklusiven Konfirmandenunterrichts in der Evangelischen Kirchengemeinde Gomaringen

Zum Konfirmandenunterricht  2018/2019 der evangelischen Kirchengemeinde Gomaringen wurde  Tom angemeldet. Tom hat ein Down-Syndrom und ist dadurch in seinen kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten deutlich eingeschränkt. Dank der Assistenz durch Gabriel Reinhardt (G.), von Beruf staatlicher anerkannter Erzieher,  kann Tom wie jeder andere seiner 42 Altersgenossinnen und Altersgenossen das Jahr über mittwochs am Konfirmandenunterricht teilnehmen und auch alle begleitenden Aktionen mitmachen.  Zwischen Tom und G. wächst schnell ein enges Vertrauensverhältnis. „G. ist mein Freund!“, sagt Tom immer wieder. Die Assistenz von G. wird im Rahmen der Ehrenamtspauschale nach Stundenaufwand vergütet.  Am Ende sind es 63,5 Stunden, für die die Kirchengemeinde den Betrag von 1107,44 € aufwendet.  Die Kirchengemeinde erhält einen Förderbetrag von 1000,- € durch den Fonds „Inklusion leben“.

Mitarbeiterbesprechung vor Beginn des Konfirmandenjahrs

Ein Team von acht ehrenamtlichen Mitarbeitenden begleitet die Gruppe der  Konfirmandinnen und Konfirmanden das Jahr über. Sie sind sowohl am Mittwochnachmittag, wie auch bei den weiteren Aktionen beteiligt. Im Juli 2018 vor Beginn des Konfirmandenjahrs findet eine Besprechung zur Konzeption und Planung des Konfirmandenunterrichts (KU) statt.  Ausführlich wird dabei die Teilnahme von Tom am KU besprochen.  G. ist anwesend. Er informiert über das Down-Syndrom und schildert seine Wahrnehmung und Einschätzung nach den ersten Kontakten mit Tom. G und der Pfarrer berichten auch von den einführenden Gesprächen mit den sehr kooperationswilligen Eltern. Es werden Vereinbarungen darüber getroffen, wie sich die Mitarbeit von Tom und G. in den von den Ehrenamtlichen verantworteten Gruppenphasen im KU gestaltet werden können.

Auf der Konfirmandenfreizeit

In den Herbstferien findet die viertägige Konfirmandenfreizeit in einem Feriendorf auf der Schwäbischen Alb statt. Die Jugendlichen bewohnen jeweils in Gruppen zu 6-8 Personen gemeinsam mit zwei Mitarbeitenden ein eigenes Haus, in dem auch zusammen gekocht und gegessen wird. Zu den gemeinsamen Veranstaltungen trifft man sich im Gemeinschaftshaus.

Im Vorfeld wird in engem Kontakt mit den Eltern überlegt ob und in welcher Form eine Teilnahme von Tom möglich ist. Prinzipiell steht sie in Frage, da auch die Eltern eher bezweifeln, dass sich Tom auf eine Übernachtung in fremder Umgebung einlässt. Es wird vereinbart, dass die Entscheidung letztlich situativ von Toms Stimmung und Kooperation abhängen soll. Tom soll prinzipiell  die Möglichkeit haben, tagsüber teilzunehmen, um dann nachts Zuhause zu schlafen.  Zunächst zieht aber Tom am Anreisetag mit den anderen fünf Jungs seiner Gruppe, mit G. und den weiteren Begleitern ins Ferienhaus ein.

Er ist in der Hausgruppe völlig integriert.  Als er am Abend von seiner Mutter am Telefon gefragt wird, ob er die Nacht über abgeholt werden möchte, lehnt er das nach anfänglichem Zögern ab. Gemeinsam mit G. wird vereinbart, es eine Nacht lang zu versuchen. Die Nacht verläuft komplikationslos. Tom bleibt die ganze Zeit auf der Freizeit und erzählt hinterher stolz, dass er jetzt auch woanders schlafen kann.

Mittwochs im Konfirmandenuntericht 

Im KU am Mittwoch agiert Tom eher zurückhaltend. G. muss an seiner Seite sitzen. Am Unterrichtsgespräch kann er sich nicht beteiligen. Hin und  wieder bearbeiten die Konfirmanden in Gruppen  Text- oder Gestaltungsaufgaben. Dabei ist Tom in der Regel überfordert.  Das merken sowohl er wie auch die Mitkonfirmanden. Der Versuch der Mitkonfirmanden, ihm dabei zu helfen, verstärkt diese Wahrnehmung. Das Team der Mitarbeitenden berät den Sachverhalt und spürt das Dilemma.  In solchen Gruppenphasen besprechen in Zukunft Tom und G. das Thema für sich zu zweit.  Wir stoßen an die Grenzen der Inklusion.

Pause beim gemeinsamen Klettern bei der Freizeit der Gomaringer Konfirmanden
Pause beim gemeinsamen Klettern bei der Freizeit der Gomaringer Konfirmanden

Auf der Höhlentour

Zur Konzeption der Konfirmandenarbeit gehören auch erlebnispädagogische Projekte, so z.B. die Begehung der Gustav Jakob-Höhle bei Grabenstetten auf der Schwäbischen Alb.  Die Anforderungen an die körperliche Fitness sind dabei für Jugendliche und Erwachsene in gleicher Weise nicht unerheblich. Auch hier stellt sich die Frage, ob Tom rein körperlich dieser Herausforderung gewachsen ist. Nachdem er prinzipiell bereit ist, sich darauf einzulassen, wollen wir es versuchen. G. und eine weitere Mitarbeiterin gehen (und kriechen) in der Höhle vor ihm bzw. hinter ihm und unterstützen ihn. Auch die anderen Jugendlichen zeigen sich fürsorglich und zur Mithilfe bereit.  Die Aktion konfrontiert ihn mit seinen Grenzen. Letztlich gelingt die Begehung mit vereinten Kräften.Anschließend treffen wir uns als Gruppe noch zu einem Abschlussvesper. Tom ist bester Stimmung. Als sein Vater ihn abholt, ruft er ihm schon von weitem mit strahlendem Gesicht entgegen: „Papa, ich hab`s geschafft!“

Bei der Konfirmation

Die Jugendlichen werden im Konfirmationsgottesdienst jeweils zu dritt vor dem Altar kniend eingesegnet.  Schnell finden sich zwei Jungs, die mit Tom gemeinsam eine Einsegnungsgruppe bilden wollen. Tom allerdings zögert. Er will zunächst nicht vor den Augen all der Menschen nach vorne in den Altarraum kommen. Nachdem ihm G. vorschlägt, ihn zum Altar zu begleiten und neben ihm zu knien, lässt sich Tom darauf ein und wird an der Seite seiner beiden Mitkonfirmanden eingesegnet“.

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