Der Einsamkeit keine Chance geben – Das Projekt „Porta“

Begleitung einer alten Dame beim Porta-Projekt

Bei „Porta“ begleiten Ehrenamtliche alte Menschen auf dem Weg zwischen Wohnung und unterschiedlichen Orten in der Stadt. Das Projekt will beeinträchtigten älteren Menschen mehr soziale Teilhabe ermöglichen und so Einsamkeit entgegen wirken. Porta, das in etwa „Türen aufschließen“ bedeutet, wird unterstützt durch Mittel des Fonds „Inklusion leben“. Die rund 15 Freiwilligen können sich so über eine kleine Aufwandsentschädigung freuen.

Pünktlich um viertel vor elf klingelt Claudia Wekenmann bei Ursula Laquay-Ihm. Oben in der Wohnung wartet die Seniorin schon, dass es losgehen kann. „Wo habe ich jetzt nur meine Tasche?“ fragt sie. „Und habe ich auch das Fenster zugemacht?“. Heute geht es wie jede Woche montags und mittwochs ins Bischof-Moser-Haus im Stuttgarter Bohnenviertel zu Mittagessen. Die 77-Jährige ist froh, dass sie den langen Weg nicht alleine machen muss. „Ich bin manchmal so unsicher“, sagt sie und hakt sich bei Claudia Wekenmann dankbar ein.

Begleitung einer alten Dame beim Porta-Projekt
Ursula Laquay-Ihm (links) und Claudia Wekenmann auf dem Weg zur Begegnungsstätte

Zunächst warten, durch das nasse Laub rutschig gewordene Stufen auf die beiden Frauen. Sie gehen eng hintereinander her, falls Ursula Laquay-Ihm mal ins Rutschen geraten sollte. Dann geht es der Straße entlang bis zur nächsten Bushaltestelle. „Ich bin froh, dass ich etwas Sinnvolles machen kann“, sagt die frühere Bankangestellte Wekenmann. Jetzt im Ruhestand nach mehr als 45 Jahren bei der Bank engagiert sie sich mit ganzem Herzen für Senioren, die nicht mehr ganz so mobil oder psychisch eingeschränkt sind.

Begleitung einer alten Dame beim Porta-Projekt
Beim Einstieg in den Bus

In der Zeitung hatte die Evangelische Gesellschaft Stuttgart für das Projekt Porta geworben und die pensionierte Bankerin hat sich davon ansprechen lassen. „Das Entscheidende ist, dass man zueinander passt“, sagt sie. Auf Anhieb seien sie gut miteinander ausgekommen und hätten sich auch etwas zu sagen. Und Ursula Laquay-Ihm sei auch eine sehr interessante Frau. „Schauen Sie mal bei Wikipedia im Internet nach“, rät sie dem Reporter.

Begleitung einer alten Dame beim Porta-Projekt
An der U-Bahn-Haltestelle

Die 77-Jährige ist durch ihr langjähriges Schaffen als Malerin und Objektkünstlerin bekannt. Schon nach wenigen Berufsjahren hat die gelernte Innenarchitektin entdeckt, dass ihr Herz für Malerei und Objektkunst schlägt und sich voll und ganz auf ihr Hobby konzentriert. Kein Wunder, dass sie viel Interessantes zu erzählen hat aus ihrem Leben. Mit Bus und U-Bahn kommen die beiden Frauen jetzt der Begegnungsstätte der Caritas rasch näher. Schnell vergeht die Zeit bei der Unterhaltung übers Essen und darüber, dass es gar nicht so leicht ist, Anschluss zu finden bei den anderen Mittagsgästen. „Ich glaube ich muss da noch stärker meine Themen einbringen, sagt Laquay-Ihm.

Begleitung einer alten Dame beim Porta-Projekt
Vor dem Kleiderladen

Angekommen bei der Haltestelle Rathaus hakt sich die 77-Jährige rasch wieder unter bei Wekenmann. Durch die Unterführung und enge Sträßchen im Bohnenviertel geht es zum Bischof-Moser-Haus. Die beiden bleiben vor einem Kleiderladen hängen, schauen sich bunte Oberteile an, die dort schön aufgereiht auf Käuferinnen warten. In der Begegnungsstätte angekommen, sitzen dort bereits einige alte Damen am Tisch und machen Gesellschaftsspiele. Noch eine knappe halbe Stunde, dann wird das Essen serviert. Die verbringt die Malerin gerne mit der Zeitung.

Begleitung einer alten Dame beim Porta-Projekt
Ursula Laquay-Ihm (links) und Claudia Wekenmann auf dem Weg zur Begegnungsstätte

„Wir möchten möglichst viele vereinsamte, körperlich oder seelisch belastete alleinlebende ältere Menschen dabei unterstützen, wieder an Begegnungsangeboten, beispielsweise in Begegnungsstätten für Senioren oder Kirchengemeinden teilzunehmen“, betont Porta-Erfinder Martin Schneider von der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart. „Denn wir haben einen recht hohen Anteil alleinlebender älterer Menschen in den Stuttgarter Innenstadtbezirken. Vereinzelung, seelische Belastungen und Pflegebedürftigkeit kommen da oft vor“. Im Rahmen des Projektes suchen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen auf Anfrage ältere Menschen auf und begleiten sie persönlich zu dem jeweiligen Begegnungs- und Kontaktangebot. Und begleiten sie bei Bedarf nach Besuch des jeweiligen Angebots auch wieder nach Hause.

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