Baugenossenschaft: eine durch und durch inklusive Struktur

Expertinnen und Experten aus Diakonie und Baugenossenschaften sowie Angehörige beim Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Lichtenstern

Ev. Stiftung Lichtenstern plant inklusives Wohn- und Betreuungsprojekt im Gebiet Neckarbogen in Heilbronn

Menschen mit Behinderungen wohnen und leben immer weniger in großen Einrichtungen sondern so wie andere Menschen auch: in einer Wohnung im Ort, in einer Wohngemeinschaft in der Stadt oder einem kleinen Heim in einer Gemeinde. Neue Wege geht hier die Evangelische Stiftung Lichtenstern. Sie hat eine Genossenschaft gegründet. Mitten auf dem Gelände der Bundesgartenschau Heilbronn entsteht das „inklusive Wohn- und Betreuungsprojekt Neckarbogen“. In drei bis vier Jahren werden dort Menschen mit Behinderungen wohnen und arbeiten. Mitten im Quartier, eingebettet in die Nachbarschaft und mit einem inklusiven Café als Begegnungsort.

Im Rahmen des über „Impulse Inklusion“ geförderten Projekts „WohnMobil“ haben jetzt Experten aus Diakonie und Baugenossenschaft sowie Angehörige Einblicke in das Vorhaben bekommen und sich über die Idee der Genossenschaft ausgetauscht. Sie wollten wissen, was die Stiftung Lichtenstern zu diesem Schritt bewogen hat. Welche Gespräche dazu geführt werden mussten und was vor allem Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen davon haben.

Begonnen hat nach den Worten der Vorstandsvorsitzenden, Pfarrerin Sybille Leiß, mit Eltern behinderter Kinder. „Die wollten für ihre Kinder ein passendes ambulantes Wohnangebot“. In einem Workshop ist dann schnell klar geworden, dass nicht alle ohne Betreuung wohnen und leben können, es also doch ein etwas größeres Gebäude und verlässliche Unterstützung vor Ort braucht. Warum aber eine Genossenschaft? „Angehörige haben da mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, als bei anderen Modellen“, so Leiß. „Und eine Genossenschaft ist eine durch und durch inklusive Struktur“, denn bei ihr gilt: jeder, der Mitglied ist, hat eine Stimme, alle sind absolut gleichberechtigt. Auch für den Bewohnerbeirat eine interessante Sache auf Augenhöhe: „Daran wachsen die Menschen, wenn ihnen auch ein Teil des Ganzen gehört als Genossenschaftler“. Schon mit einem Startkapital von 50 Euro ist es möglich, eine Mitgliedschaft zu zeichnen.

Expertinnen und Experten aus Diakonie und Baugenossenschaften sowie Angehörige beim Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Lichtenstern
Expertinnen und Experten aus Diakonie und Baugenossenschaften sowie Angehörige beim Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Lichtenstern

Sobald die Bundesgartenschau vorbei ist, rücken im Gebiet Neckarbogen die Bagger an. Es entsteht ein komplettes Neubauviertel, und das Wohn-und Arbeitshaus der Lichtensterner Genossenschaft mitten drin. „Wir wollen mitten im Quartier ein durchgängiges Leben und Arbeiten organisieren“, so Leis. „In einem Quartier der Vielfalt“. Es wird ambulantes Wohnen geben und zwei große Wohnungen mit jeweils acht Einzelzimmern und eine Gemeinschaftsfläche. Dazu ein inklusives Café für Begegnungen mit den Menschen aus der Nachbarschaft, Raum für kirchliches Leben und ein Garten im Innenbereich, der gemeinsam gestaltet werden kann. „Denn uns ist die offene Struktur und die Wirkung ins Gemeinwesen hinein wichtig“. Die Struktur ist das eine, passende Gebäude das andere. Aber letztlich geht es darum, den Neckarbogen mit Leben zu füllen. „Wenn die Bewohnerinnen und Bewohner erst vor Ort sind, sorgen sie selbst für ein lebendiges Miteinander“, ist sich Pfarrerin Leis sicher. „Diese Erfahrungen haben wir schon bei anderen Standorten gemacht“.

Flyer Inklusives Wohn-und Betreuungsprojekt Neckarbogen

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