Inklusives Seniorenwochenende: alle Bedürfnisse gut im Blick

Inklusive Seniorentage Bad Urach - Blick in den Speisesaal

Unter dem Motto „MiteinanderAnders“ verbrachten Seniorinnen und Senioren mit und ohne Behinderungen zwei Tage im Stift Bad Urach. Wichtig war dabei, dass die Bedürfnisse aller Teilnehmendem im Blick sind, was Sprache, Bewegung, Geschwindigkeit, Informationsmenge, Nähe und Distanz betrifft, alle Angebote allen offen stehen und alle sich einbringen können. Organisiert hatte das Wochenende der Evangelische Kirchenbezirk Nürtingen. Finanzielle Unterstützung kam vom Fonds „Inklusion leben“. Ein Bericht von Diakonin Monika Petsch

Inklusive Seniorentage Bad Urach - Gruppe
Inklusive Seniorentage Bad Urach – Gruppe

„Im Februar 2019 war unser Einladungsflyer fertig. Wir gaben ihn der Verantwortlichen der Vesperkirche zum Verteilen und ebenso einer Mitarbeiterin des Diakonieladens. Schließlich war es unser Anliegen, eine bunt gemischte Gruppe zusammenzubringen, zu den Senioren mit Behinderungen gezielt auch auf Menschen zuzugehen, für die ein solches Angebot sonst unerschwinglich ist, weil sie eine kleine Rente haben oder aus einem anderen Grund etwas „abseits“ stehen bzw. die so etwas noch nie als Möglichkeit für sich gesehen hatten.

Inklusive Seniorentage Bad Urach - Lesung
Inklusive Seniorentage Bad Urach – Lesung

Schließlich hatten wir 11 Teilnehmende zwischen Mitte 55 und 85 Jahren, inklusive Team (6 Personen, 4 davon ehrenamtlich) war es eine Spanne von 21 bis 85 Jahren. Der Männer- und Frauenanteil war ausgeglichen. Die Teilnehmenden kamen aus der Behindertenförderung und ihrem Umfeld, aus der „ARBEG“ einer Einrichtung, die Menschen mit Handicap ins Berufsleben begleitet und aus der Vesperkirche. Es waren Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Besonderheiten dabei, ebenso wie Menschen, die im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten mit diesen in Beziehung stehen. Das Team bestand aus den zwei Hauptamtlichen (Verantwortliche der Seniorenarbeit der Behindertenförderung, Andrea Bachert, und Diakonin der Evang. Bezirksseniorenarbeit Nürtingen, Monika Petsch), zwei Ehrenamtlichen aus der Bezirksseniorenarbeit, dem ehemaligen FSJler der Behindertenförderung und einer Studierenden der Sonderpädagogik. Das Team erschien uns zunächst groß, es zeigte sich aber schnell, dass jede/jeder gebraucht wurde, da doch ein Großteil der TN in irgendeiner Art und Weise ein Handycap mitbrachte und es viel Begleitung benötigte.

Inklusive Seniorentage Bad Urach - unterwegs im Städtle
Inklusive Seniorentage Bad Urach – unterwegs im Städtle

Am ersten Tag wurden die TN frühmorgens von den Teamern bei sich zuhause abgeholt. Wir begannen den Tag im Stift mit einem gemütlichen Brezelfrühstück, dem sich eine vergnügliche Vorstellungsrunde mit einigen Kennenlernspielen und gemeinsamem Singen in „unserem“ Gruppenraum anschloss. Schnell war das „Eis“ gebrochen. Zum Mittagsgebet gingen wir miteinander in die Amanduskirche. Anschließend genossen alle das gute Essen. So eine herrliche Auswahl, in so einer Gemeinschaft – das war für alle außergewöhnlich. Sehr freundlich wurde die Gruppe von Frau Maihöfer, Leiterin des Stifts,  begrüßt. Diese Wertschätzung begegnete unserer Gruppe in den beiden Tagen immer wieder und war für alle eine schöne Erfahrung.

Inklusive Seniorentage Bad Urach - unterwegs im Städtle
Inklusive Seniorentage Bad Urach – unterwegs im Städtle

Nachmittags  unternahmen wir einen Ausflug „ins Städtle“ direkt vor unserer Haustüre, erfuhren bei einer unterhaltsamen Stadtführung mehr über Urach und stärkten uns in einem netten Café am Marktplatz. Nach dem Abendgebet und dem Abendessen gab es die Möglichkeit, eine Weile an einem Konzert aus Anlass des Stiftsfestes teilzunehmen oder einfach miteinander zu reden oder das Stift auf eigene Faust zu erkunden. Später hörten wir Erlebnisse aus dem Leben unserer ältesten Teilnehmerin, die über ihre Vertreibung während des Krieges ein Buch geschrieben hatte und Abschnitte daraus für die Gruppe vorbereitet hatte. Ihre Erlebnisse regten zum Austausch über eigene Fluchterfahrungen und Ängste und über die Begegnung mit Geflüchteten heute an und zeigten, wie wichtig es ist, solche Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Am Sonntag nach dem Frühstück besuchten wir gemeinsam den Festgottesdienst in der Amanduskirche mit einem beeindruckenden Orgelkonzert. Das war für einige TN etwas ganz Neues und Besonderes! Im Anschluss daran bekamen wir von Diakon Schmid noch eine eigens für unsere Gruppe vorbereitete Führung durch Stift Urach. Nach dem Mittagessen ließen wir bei Kaffee, Kuchen, Liedern und einem „Urach-Quiz“ die gemeinsame Zeit ausklingen und blickten zurück auf zwei schöne Tage der Begegnung. Alle Teilnehmer waren sehr erfüllt – von der schönen Gemeinschaft in unserer Gruppe, den Angeboten und der schönen Örtlichkeit des Stiftes.“

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