„Inklusion einfach machen“ – das Netzwerk Inklusion in der Landeskirche

Präsentation von Bernd Stöckel und Steffen Wannenmacher beim Treffen des Netzwerks Inklusion in der Landeskirche am 14. Juli 2017

„Inklusion muss man einfach machen und nicht so viel diskutieren. Und wenn es mal nicht sofort klappt, dann ist das auch nicht so schlimm“. Dies machte Bernd Stöckel, der selbst im Rollstuhl sitzt, beim Juli-Treffen des „Netzwerks Inklusion in der Landeskirche“ (NIL) deutlich. Wichtig sei es, dass man sich als Mensch mit Behinderung selbst auch bewege, den ersten Schritt mache und „zum Beispiel einfach auch mal in die Kirche geht“. Er selbst und sein Kollege Steffen Wannenmacher werden in Zukunft bei den Treffen des Netzwerkes dabei sein.

NIL hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur über Teilhabe und Beteiligung zu sprechen und die vielfältigen Erfahrungen innerhalb der Landeskirche zu Inklusion zu teilen. Wichtig ist den rund 40 Vertreterinnen und Vertretern kirchlicher Bildungsinstitutionen, diakonischer Einrichtungen sowie Pfarrerinnen und Pfarrern, dass Teilhabe und Teilgabe selbst bei den Treffen gelebt werden. Auf Basis eines weiten Begriffs von Inklusion sollen in Zukunft auch Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung, geflüchtete Menschen und Migranten sowie von Langzeitarbeitslosigkeit und Armut betroffene Menschen mit dabei sein.

Bernd Stöckel präsentiert beim Treffen des Netzwerks Inklusion in der Landeskirche am 14. Juli 2017 (rechts Bischof Frank O. July)
Bernd Stöckel präsentiert beim Treffen des Netzwerks Inklusion in der Landeskirche am 14. Juli 2017 (rechts Landesbischof Frank O. July)

„Wurde schon mal jemand abgewiesen in der Kirche?“ wollte der gerade 50 Jahre alt gewordene Bernd Stöckel wissen, der in der Werkstatt des Behindertenzentrums Stuttgart (bhz) historisches Material bearbeitet. „Ja, jemand konnte sich in unserem Kirchgarten einmal nicht orientieren“, so eine Pfarrerin. „Das konnte ich mir im Vorfeld nicht vorstellen, dass so etwas passieren könnte“. „Hier wären Orientierungslinien wie bei der Straßenbahn gut“, so ein anderer Pfarrer, der selbst eine Sehbehinderung hat. Auch Landesbischof Frank O. July, der das Netzwerk leitet, machte deutlich, dass es eigene Erfahrungen mit Inklusion braucht: „Man wird selbst erst sensibel dafür, wenn man es auch erlebt, jemanden begleitet, der Hilfe braucht. Das war bei mir persönlich auch so“.

Präsentation von Bernd Stöckel und Steffen Wannenmacher beim Treffen des Netzwerks Inklusion in der Landeskirche am 14. Juli 2017
Bernd Stöckel beim Treffen des Netzwerks Inklusion in der Landeskirche im Gespräch mit Landesbischof Frank O. July und Oberkirchenrat Dieter Kaufmann

„Als ich das erste Mal in die Bäckerei bin, habe ich mir den Kopf gemacht wegen dem Rollstuhl und dass ich ja meine Hände nur schwer bewegen kann“, berichtete Steffen Wannenmacher, der in derselben Wohngemeinschaft wie Stöckel in einem „ganz normalen Wohnhaus“ in Stuttgart-Feuerbach lebt. „Dann habe ich einfach die Verkäuferin angesprochen. Für sie war es komisch am Anfang, extra wegen mir nach vorne in den Verkaufsraum zu kommen, aber jetzt ist es für uns beide zur Routine geworden“. Sehr profitiert der 43-Jährige davon, dass in Feuerbach die meisten Geschäfte ohne Steigungen erreichbar sind. „An meinem früheren Wohnort war Birkach es sehr bergig, da kam ich gar nicht auf die Idee, alleine einkaufen zu gehen. Jetzt mache ich Sachen, die ich mir zuvor nie zugetraut hätte“.

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